Vom Mönch zur Jungfrau - 100% Women Peakchallenge in Grindelwald

Aktualisiert: 9. Dez. 2021

Meine 100% Women Peakchallenge in der Schweiz führt mich dieses mal nach Grindelwald. Das Bergsteigerdorf am Fuße der weltberühmten Eigernordwand ist das Tor zu den 4000ern des Berner Oberlandes. Wie schon zuletzt in Zermatt darf ich auch hier wieder als Teil der 100% Women #peakchallenge in die Berge gehen. Dieses Mal stehen zwei Weitere der insgesamt 48 Viertausender auf Schweizer Boden an - Mönch und Jungfrau.


Der kurze, moderne Weg in die wilde Welt der Gletscher

Früh am Morgen steige ich in die Gondel zum Eigergletscher und weiter mit der Bahn zum Jungfraujoch, dem Top of Europe. Noch vor einer Stunde saß ich tief unten im Tal beim Kaffee - gefühlt nur wenige Augenblicke später bin ich hier oben in der wilden Welt der Gletscher. Wie einfach und bequem es uns die Bahnen machen. Sprechen wir hier noch von Alpinismus? Oder beginnt Alpinismus im Tal und zu Fuß? Ist es einfach der Lauf der Zeit und Technologie oder doch unsere Bequemlichkeit? Wie muss es in früheren Zeiten gewesen sein? Ganz sicher ist: Hier oben muss es einsamer gewesen sein! Klar eröffnet uns die alpine Infrastruktur ganz neue Möglichkeiten im Bezug auf Sicherheit und Schnelligkeit - heutige Tagestouren waren wohl früher lange, mehrtägige Unternehmungen. Auf der anderen Seite: Berauben wir die Alpen vielleicht auch ein wenig und rücken der echten Wildnis damit gewaltig auf den Pelz?

Jungfraujoch - Top of Europe

All dies sind Gedanken die mir während der Auffahrt durch den Kopf gehen. Am Jungfraujoch angekommen marschiere ich an diesem wunderbaren Sommermorgen in Richtung Mönch. Beim Einstieg treffe ich altbekannte Gesichter. Bergführerin Bibi Schöferle und Fotograf Dani Hug empfangen mich.


Es kann los gehen! Der Normalweg auf den Mönch bereitet keine großen Schwierigkeiten und schon zwei Stunden später stehen wir auf dem Gipfel des Mönch (4107m).


Happy Ladies aufm Mönch Gipfel
Auf dem Gipfel des Mönchs mit Blick auf Jungfrau

Auch der Abstieg geht uns an diesem Tag leicht von der Hand. Bereits kurz nach Mittag erreichen wir die Mönchsjochhütte und genießen Kaffee und Kuchen mit atemberaubendem Blick auf die umliegende Bergwelt. Wenn ich hier so sitze, meinen Kuchen verspeise und Cappuccino schlürfe bin ich ganz froh um die bereits diskutierte alpine Infrastruktur. Ein ehrlicher aber natürlich auch sehr eigennütziger und nicht besonders reflektierter Gedanke.


Auf Mönch folgt Jungfrau Just als die Sonne hinter den Bergspitzen des Berner Oberlandes versinkt und den Himmel in ein kräftiges Rot taucht planen wir unsere Tour für den nächsten Tag. Nach dem Mönch heute soll es dann die Jungfrau morgen sein. Die Prognose verspricht wieder ideales Bergwetter und so steht unserem Vorhaben nichts im Wege.


Morgenstund alpin - verschlafen und spektakulär

Die Nacht ist kurz - Bergsteigen bedeutet in den aller meisten Fällen auch früh auf zu stehen. Um 2.30 Uhr reißt uns der Wecker aus dem Tiefschlaf. Ein kurzes, verschlafenes Frühstück und schon starten wir um 3.30 Uhr im Schein unserer Stirnlampen. Hell funkeln noch die Sterne am Nachthimmel zu dieser Uhrzeit und nur langsam lässt sich am Horizont ein Morgengrauen erahnen. Unter unseren Steigeisen knirscht der kalte Schnee. Eine klare, eisige Nacht!


Es dauert noch eine Weile bis die Göttin der Morgenröte ihr Vorboten schickt und den Nachthimmel langsam erhellt.


Hallo Aurora!

Als der Morgen dann endlich die Nacht ablöst und den Himmel in all seine schönsten Farben taucht verstummen wir. Welch intensiver Moment! Der Himmel leuchtet, die Berge aber sind noch schwarze Schatten ihrer selbst - großes Kino. Andächtig und von diesem Naturschauspiel beeindruckt schreiten wir weiter. Sobald uns die ersten Sonnenstrahlen im Gesicht streicheln ist die kurze Nacht vergessen und neue Lebensgeister erwachen in uns.


Die leichte Kletterei erweckt alle Sinne in mir. Ich spüre den Fels in der Hand, die doch etwas dünnere Luft in den Lungen und den kalten Wind um die Ohren. Schnell überwinden wir die Felspassage und erreichen das steile, vergletscherte Gipfelfeld. Jungfrau, 4158 Meter über dem Meer - ein weiterer 4000er in meiner noch kleinen Sammlung der höchsten Gipfel der Schweiz.


Das pralle Leben auf 4000 Metern

Hier oben spüre ich das pralle Leben! Mein Puls rast, ich bin voll konzentriert und gleichzeitig mit Glück erfüllt. Oft sind es die großen Anstrengungen und eigenen Grenzen die einen so unfassbar lebendig fühlen lassen. Sind dies Gefühle, die süchtig machen? Muss es dann immer ein neuer, noch härterer Reiz sein um wieder dieses pralle Leben zu spüren?

Ich weiß es nicht, aber es sind Gedanken, die mich während des Abstieges begleiten.

Oft sind es die großen Anstrengungen und eigenen Grenzen die einen so unfassbar lebendig fühlen lassen.

Vielen Dank 100% Women #peakchallenge

Unvergessliche Momente und Erlebnisse.

Motivation auf ein Neues geweckt, ich komme wieder in die Schweiz.


Schöne Restwoche,

Eure Caja

Danke Bibi (Bianca Schöferle) - es war mir wie immer eine Ehre!




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